Aquinische Gedanken

Ich möchte in diesem Format mit Hilfe von Thomas von Aquin über Gott nachdenken.

Was ist das Schlechte relativ zu Gott?

Oder gleich: was ist das Schlechte relativ zum Guten?

Gott ist sich, wie er sein Wille ist

Es muss dazu untersucht werden, was die Natur des Schlechten ist. Das Schlechte, das hier angeschaut wird, ist das Schlechte innerhalb der Schöpfung. Es findet sich Schlechtes ausserhalb dessen, aber das soll uns nicht kümmern. Solches anderes Schlechtes, das da draussen im Weltall sich findet, hat nichts mehr, noch nichts, oder nicht genügend direkt mit dem Menschen zu tun. Zuerst soll jedoch untersucht werden, was das Gute ist.

Das höchste Gute ist Gott. Nach Thomas von Aquin ist das Wesen Gottes gleich seinem Willen. Für unsere Zwecke sei Gott zweierlei: sein eigenes Wesen, wie auch jedes Wirken seines Wesens.

Beispielsweise bin ich nicht meine Tat. Lese ich ein Buch, so bin ich weder Buch, noch die Tätigkeit des Lesens. Ich verbleibe mein eigenes Wesen, egal was ich tue. Ich unterscheide mich von meiner Tat, da ich aus meinem Wesen nicht heraus kann. Der Mensch kann sich mit seinem ganzen Wesen verändern, aber er benötigt viel Zeit dafür. Und er ist darin begrenzt, was er alles werden kann. Sein Wesen kann sich in der Zukunft in der Form von seinem jetzigen unterscheiden, aber etwas anderes als Mensch kann er nicht werden. Unser Geist mag allerlei Dinge nachbilden können, aber den Kern unseres Wesens können wir nicht so leicht etwas anderes werden lassen. Ich kann nur als Idee wirklich aus mir heraus, Idee werden kann ich jedoch nicht, ich verbleibe immer Mensch.

Gott setzt also mit seiner Tat sein eigenes Wesen aus sich heraus. Es findet sich bei Gott, anders als beim Menschen, keine Unterscheidung zwischen dem was er ist, und dem was er schafft. Er kann mit dem Geschehenlassen der Schöpfung jedoch etwas vor sich finden, das sich scheinbar von ihm unterscheidet. Denn er muss nicht an seiner Schöpfung so teil nehmen, wie er an seinem eigenen Wesen teil nimmt, da die Schöpfung ausserhalb von ihm ist, auch wenn er das Schaffen ist. Diese Begriffe sind leider etwas abstrakt. Sein eigenes Wesen kann nichts Schlechtes an sich haben, seine Schöpfung kann sich jedoch von ihrem Schöpfer mit dem Hinzufügen von Zeit (und Abstand, wie wir gleich sehen werden) unterscheiden, indem sie in sich einen eigenen Gang schafft.

Weshalb gibt Gott sein Wesen in eine Schöpfung? Um sich selbst zu sein. Denn er ist nicht Schöpfer ohne Schöpfung, er ist nicht sein Wesen ohne seine Tätigkeit, wenn wir von Aquins obigen Satz gerecht werden wollen. Wenn Gott gleich seinem Willen ist, und es ein guter Gott ist, und ein guter Gott schöpferisch ist, muss Gott, um sein Wesen gleich seinem Willen zu haben, schaffen. Unsere Inexistenz würde einen ‘schlechten’, d.h. nicht-schöpferischen Gott bedeuten.

Die Welt im Moment ist nicht gleich Gott

Die Welt entspricht, bildlich gesprochen, einer Art Knospe, welche sich als Schöpfung durch die Zeit bewegt, sich aufspaltet, kontrastiert, um sich später wieder zusammen zu ziehen.

In dieser Schöpfung, unserer Welt also, finden wir Schlechtes. Das Schlechte hat den Nutzen, einer unschuldigen, weder guten noch schlechten Knospe, einen Kontrast zu geben. Das Schlechte ist ein Gewicht, das ein Gutes ermöglicht. Dieses Gute nach dem Zufügen des Kontrastes hat zwar eine Gottähnlichkeit, aber sie hat nicht die gleiche Dauer. Die Ähnlichkeit dieses (späteren) Guten zu Gott ist Korrelation, jedoch nicht gleich der ursprünglichen, guten Schöpferkraft. So haben wir ein erstes Gutes mit der Schöpfung, und ein zweites Gutes – das jedoch gleich aussieht – mit dem Kontrast.

Damit haben wir die Natur des Guten beschrieben.

Was ist also das Schlechte? Es ist die Entfernung zu Gott. In anderen Worten ist das Schlechte nicht eine Kraft, sondern die Absenz einer Kraft, die Distanz zu einer Kraft. Es hat nicht eine eigene Quelle, es ist nichts weiter als Notwendigkeit. Damit hat das Schlechte keine eigene Wirklichkeit, sondern ist einzig ein Durst zu einem Wirklichen. Sein einziger Weg um in die Nähe vom Guten zu kommen, ist der Kampf mit diesem. Auf eine Art kann das Schlechte die Nähe zum Guten nicht aushalten. Das Schlechte ist ein Schatten des Guten, auch wenn es für uns Menschen überwältigend erscheinen kann. Das Erlebnis des Schlechten kann einem, je nach Grösse, wie eine überwältigende Realität vorkommen. Wenn man sich jedoch daran gewöhnt hat, so erkennt man das Schlechte als die Maya die es ist. So verhält es sich mit der Physis, und auch den anderen Plänen, welche in der Anthroposophie beschrieben werden. So kennt die Anthroposophie den physischen Plan, den ätherischen, den astralischen, und dann auch all die höheren, welche in die Sphäre der Hierarchien reichen. Es gibt auch Pläne unterhalb des materiellen.

Je höher wir den Hierarchien folgen, desto eher finden wir eine Nähe derselben zu Gott. Wir müssen also sagen, dass die unteren Pläne mehr Distanz zu Gott haben. Es wäre ein hartes Urteil zu sagen, dass die tieferen Pläne schlechter sind, für unsere Untersuchung ist dies jedoch notwendig. Ausserhalb dieser Untersuchung sollte es jedoch auf keinen Fall als Tatsache verstanden werden.

Die Physis ist eine Art Maya, hinter der sich das wirkliche Wesen der Dinge findet, die geistige Welt. Wenn die Physis für den Menschen Maya ist, was ist denn ein höherer Plan für ein höheres Wesen? Was ist der ätherische Plan für ein Wesen über dem Menschen? Was ist der astralische Plan für ein noch Höheres? Ist nicht alles irgendwann von einer noch höheren Wesenheit so weit überwunden, dass es dann nur Notwendigkeit für noch Höheres ist? Hohe Wesen können das intensivste Gefühl davon vermitteln, wie unmittelbar real sie sind, und das gilt auch für die schlechten hohen Wesen. Auch sie können einen überwältigen, obwohl dahinter nichts als flüchtige Schatten sind. Die Überwältigung ändert nichts an der Tatsache, dass sie bloss für ein Gegengewicht sorgen. Das Schlechte hat keine eigene, wahre Essenz, nur Ensprechung zur Essenz des Guten.

Und weil nur schöpferische Kräfte, also gute Kräfte, einen Sinn ausserhalb des Notwendigseins in sich tragen können, und erst wenn ein Sinn vorhanden ist, eine tiefere Wahrheit repräsentiert werden kann, ist nur ebenjene positivistische Realität eine solche. Nur was tiefe Wahrheit in sich trägt, kann einen ersten Punkt berühren, also Teil eines Ursprunges von allem sein. Lüge kann nur sein, wenn vorher Wahrheit ist. Zu Beginn ist Gutes, Gottgleiches, direkt danach folgt der negative Kontrast um ein unschuldiges Mittelding Möglichkeit sein zu lassen. Ich habe weiter oben geschrieben, dass Gottes Schöpfung unschuldig sei, dies ist jedoch nicht ganz richtig, wie wir eben gesehen haben: Gottes Schöpfung ist im ersten Moment gut, da sie sich nicht von Gott unterscheiden kann, dann wird sie, weil sie unschuldig sein muss, durch etwas ergänzt, das schlecht ist. Nun haben wir Unschuld mit Kontrast, und das Gute das innerhalb des Unschuldigen entsteht, ist gleichermassen nahe an der Schöpfung wie das Schlechte, da das erste Gute vor dem Hinzugeben der Kontraste nicht das gleiche Gute ist. Es sind zwei Arten von gut, welche sich zeitlich unterscheiden, aber der Form nach gleich sind. Weil Gott nichts Schlechtes schaffen kann, schafft er Gutes, von dem er sich dann distanziert. Dieses Gute wird dann schlecht, nicht weil es so geschaffen wird, sondern weil es das erste Kriterium zum Gutsein nicht erfüllt: Nähe zu Gott zu haben.

Das Schaffen Gottes von Gutem das Schlecht werden muss, könnte man als Sünde Gottes sehen. Jedoch gibt es in Gott keine Sünde, da er das höchste Gute ist, und so findet sich für das Distanzieren Begründung welche mit Gottes Wesen überein stimmt: das Distanzieren Gottes von seiner Schöpfung ist ein Tun höchster Tugend über alle Zeit, gleich jedem anderen Tun Gottes. Das Distanzieren begründet sich als Tugend so, dass es höchstes Tun nur über alle Zeit ist. Für Gott ist ‘Zeit’ nicht dasselbe wie für den Menschen, er ist gleichermassen am Beginne wie am Ende der Zeit, welche Teil seiner Schöpfung ist. So ist sein Tun alle Zeit überspannend, und ein Distanzieren zu einer bestimmten Zeit wirkt für den Menschen nur wie ein Schlechtes, weil er das Schlechte nur aus der Allzeit herausgerissen sehen kann. Denn für Gott ist es auch ein Annähern zu einem anderen Zeitpunkt, für Gott hat jedes Schlechte eine Gleichzeitigkeit mit seiner guten Entsprechung, welche für den Menschen zu einer anderen Zeit in Erscheinung tritt. Wir sehen mit der Betrachtung einer einzelnen Zeit (z.B. in der Gegenwart, oder einem Abschnitt in der Geschichte) nur einen Teil vom Tun Gottes. Unsere Betrachtung kann Zeit nicht überwinden, da für unsere Vorstellung eine Sache als einzelnes Bild oder als Abfolge von Bildern sich ereignet. Ein Geschehnis kann für die menschliche Vorstellungskraft nie gleichzeitig zwei Zeitpunkte haben. Für Gott ist dies jedoch möglich. Damit haben wir im Distanzieren Gottes vom schlecht zu werdenden Teil seiner Schöpfung eine höchste Tugend.

Wir wollen nun die Wirklichkeit des Schlechten untersuchen.

Man kann argumentieren, das Gute sei nur durch das Schlechte (existent), und von daher kämen beide gleichermassen aus dem Punkt null, diesem Ursprung von Allem. Ich wiederhole mich hier vielleicht, jedoch ist es notwendig um zu erläutern warum das Schlechte nicht “wirklich” ist: Jedes “Sein” hat Schöpfung zu sein, und Schöpfung kommt nur aus dem Guten, während deren Gegenteil – Zerstörung – vom Schlechten kommt. Wenn also am Punkt null ein Schöpfungswille da ist, so haben wir einen guten Schöpfer. Am Punkt null kann nicht Zerstörung sein, weil dann ja nichts da wäre. Das Tun dieses Schöpfers, Gott, ist nach seinem eigenen Wesen. In einem abgeschlossenen Wesen kann nicht etwas sein, das nicht dazu gehört, und so kann nichts geschaffen werden, das davon abweicht. Da im Guten jedoch nichts Schlechtes ist, das Schlechte jedoch existiert, jene Existenz jedoch weiter nicht von Gott kommen kann weil Gott gut ist, hat das Schlechte anderen Ursprung als Schöpfung zu haben.

Wir haben mit dem Schlechten also ein Sein, das Gott unähnlich ist, neben dem Sein, das Gott ähnlich ist – dem Guten also. Wie kann jedoch ein Sein sein, ohne Teil von Schöpfung zu sein? Es ist unmöglich, wie wir gesehen haben. Wenn das Schlechte Sein hat, jedoch Gott unähnlich ist, aber durch das Sein dennoch Teil der Schöpfung ist, dann haben wir einen Widerspruch. Die Lösung ist Folgende: das Schlechte hat weniger Sein als das Gute. Je weiter ein Ding von Gott abweicht, desto schlechter ist es. Da der Wille Gottes erst Sein gibt, entschwindet jenes mit zunehmender Abweichung. Das Schlechte nähert sich immer mehr einer Leere, je schlechter es wird. Das Schlechteste ist dann Inexistenz, oder Seinslosigkeit. Das Schlechteste ist ein solcher Zerstörungswille, dass es sich selbst unablässig zerstört. Um nicht komplett aufzuhören zu existieren, muss es schneller anderes (gutes, oder zumindest besseres) konsumieren, als es sich selbst zerstört. Das Schlechte hat damit eine tragische Abhängigkeit vom Guten.

Wir finden mit der Distanz zu Gott also schwindende Existenz.

Wenn Distanz zu Gott das Mass an Schlechtigkeit ist, so ist jeder tiefere Plan ‘schlechter’ als der andere. Noch einmal: nur für unsere Untersuchung. Der ätherische Plan ist hier schlechter als der astrale, der physische schlechter als der ätherische usw. In anderen Worten hat jeder tiefere Plan geringere Existenz als der letzte, und der Aufwand für die höheren Geister nimmt entsprechend zu, je tiefer der Plan ist, den sie als Wirklichkeit erscheinen lassen müssen.

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